Geschichten voller Zuversicht
Das juckt mich. Aber warum? Tipps ebenfalls Betroffener sind hilfreich, aber Neurodermitis hat viele Gesichter. Letztendlich muss bei der sehr individuell verlaufenden Erkrankung jeder für sich herausfinden, was Linderung verschafft. Zwei Patienten berichten.
Ostern 1999. Der damals 30-jährige Christian Wolters* aus Dresden geht mit Freunden in der Sächsischen Schweiz klettern, wo sie in der freien Natur übernachten. „Am nächsten Morgen waren meine Unterarme mit Ausschlag übersät“, erinnert er sich. Eine Allergie? Vielseitige Tests verneinen das. Es ist eine wieder aufflammende Neurodermitis, die Christian Wolters mit sechs Monaten das erste Mal entwickelt hatte und die in seinem 19. Lebensjahr verschwunden war.
Ulm 1994. Als der heute 16-jährige Tobias Bechtle* sechs Monate alt ist, entdeckt seine Mutter Sandra Bechtle* bei ihm wunde und blutige Falten am Hals. Diagnose: Neurodermitis, verbunden mit einer Anfälligkeit für Candidapilzerkrankungen.
Zurück in Dresden. Seit die Neurodermitis bei Christian Wolters wieder ausgebrochen ist, verschlechtert sich sein Zustand laufend. Die anthroposophische Kinderärztin seiner zweieinhalb und fünf Jahre alten Söhne, die ebenfalls beide mit sechs Monaten Neurodermitis entwickelt haben, empfiehlt ihm einen anthroposophischen Hautarzt. Der stellt gezielte Fragen nach möglichen Auslösern. Christian Wolters‘ Beobachtungen sind eindeutig. Neben einer für Neurodermitis untypischen Verbesserung im Herbst und Winter und der Erfahrung, dass es ihm vormittags besser und am späten Nachmittag schlechter geht, kennt er Stress als Auslöser für Schübe. Hitzestau auf der Haut, Schweiß und Schmutz verstärken den Juckreiz. Häufig heiß duschen und anschließendes Einfetten der Haut helfen ihm.
Ich musste lernen, auf mein Kind zu hören
Ganz im Gegensatz zu Tobias. Sandra Bechtle badet ihren Sohn als Säugling oft, da das warme Bad seine Blähungen löst. „Als die Neurodermitis ausbrach, empfahl mir eine Kosmetikerin, Tobias einfach seltener zu waschen.“ Acht Wochen lang reinigt sie ihn daraufhin hauptsächlich mit Öltüchern. Mit Erfolg. Das erste Mal seit Ausbruch der Neurodermitis verschwinden die Symptome. „Ich musste zudem lernen, auf mein Kind zu hören“, sagt Sandra Bechtle. Denn dass er keinen Apfel essen mochte oder ein bestimmtes T-Shirt nicht anziehen wollte, war nicht kindlicher Unwille, sondern Ausdruck einer Unverträglichkeit gegen Obst und Stoffimprägnierungen.
Haut und Allergien hängen eng mit der Verdauung zusammen
Der anthroposophische Hautarzt Dr. med. Lüder Jachens erklärt das: „Unverdautes oder nicht Vertragenes – ob Stoffliches oder Seelisches – schlägt sich negativ auf der Haut nieder und wird quasi dort verstoffwechselt. Ziehen wir diesen Stoffwechsel, der am falschen Ort stattfindet, von außen nach innen, in Richtung Darm, bessert sich der Hautzustand, das seelische Befinden wird gestärkt.“ Deshalb ist für Christian Wolters eine allgemein verdauungsstärkende und hautstabilisierende Therapie die richtige. „Diesen Sommer ist der ganz schlimme Schub ausgeblieben“, freut sich Wolters, der das auf diese Behandlung zurückführt.
Zwei Menschen mit Neurodermitis. Beide haben ihren Weg gefunden
Tobias Bechtle weiß sich mittlerweile auch ohne ärztliche Behandlung zu helfen. Er isst kein Obst und wäscht neue Kleidung mindestens einmal, bevor er sie anzieht. Beginnt die Haut zu jucken, cremt er sie sofort ein und kann damit dem Kratzen meistens Einhalt gebieten.
Christian Wolters geht derweil weiterhin unverdrossen in die Berge. „Wenn die Hände aufgerissen sind, ist das manchmal störend am Fels.“ Aber die Euphorie, aus eigener Kraft die Felswand hinaufzuklettern, überwiegt und lässt ihn seine Haut vergessen.
*Name von der Redaktion geändert

