Sheabutter aus Burkina Faso
Seit 2001 unterstützt die WALA Heilmittel GmbH in Burkina Faso ein Sheabutter-Projekt. In mehreren Dörfern innerhalb eines geschützten bio-zertifizierten Sammelgebietes der Karité-Nüsse stellen Frauen auf traditionelle Weise Rohsheabutter (beurre de Karité) her. Für viele Familien ist der Verkauf von Sheabutter eine wesentliche Einnahmequelle. Die WALA trägt zum Erhalt dieser Dorfgemeinschaften bei, indem sie dort die Sheabutter zu überdurchschnittlichen Preisen einkauft und Abnahmemengen langfristig garantiert. Die Dörfer erhalten dadurch finanzielle, beratende und organisatorische Hilfe bei der Bio-Zertifizierung. Im August 2004 fand zum zweiten Mal die Hauptinspektion zur Bio-Zertifizierung statt, womit ein weiterer Meilenstein innerhalb des Projektes erreicht wurde.
Land der Unbestechlichen
Burkina Faso. Wo ist das eigentlich? In Westafrika wird man fündig: Neben Elfenbeinküste und Ghana, das klingt irgendwie nach großer Weite und Abenteuer. Obervolta hieß früher dieses vom roten, schwarzen und weißen Volta-Fluss zerfurchte Land, dessen heutiger Name übersetzt "Land der Unbestechlichen" bedeutet. Das auf einem Hochplateau liegenden Burkina Faso ist durch Feuchtsavannen, Buschland und Halbwüsten geprägt. Dürreperioden haben dem eh schon armen, hauptsächlich von Viehwirtschaft und Ackerbau lebenden Land in den letzten Jahren zu schaffen gemacht. Überleben können die Menschen hier, am Rande der Sahel-Zone, durch Pflanzen, die sich ganz an die Dürreperioden angepasst haben. Der Sheabaum ist ein solches Gewächs.
Heiliger der Savanne: der Sheabaum
In seiner Heimat ist er wohl eher klein zu nennen: Der knorrig wachsende Sheabaum wird 10 bis 15 m hoch und ist Bestandteil der natürlichen Vegetation eines begrenzten ca. 300 km breiten Vegetationsstreifens, der sich von Mali über Burkina Faso nach Ghana, Togo und Benin ausbreitet. Nur hier, nirgends sonst auf der Welt gedeiht dieser Baum.
Die milchsaftführenden Bäume mit ledrigen Blättern blühen erst mit 20 Jahren und erreichen im Alter von 30 ihre volle Fruchtproduktion, die dann über 100 Jahre bestehen bleibt. Die im reifen Zustand grünen, pflaumenförmigen Früchte besitzen einen Durchmesser von bis zu 4 cm. Die weiche grüne Außenschale wird gerne gegessen. Mit bis zu 50 % Fettanteil sind die Fruchtkerne (Nüsse) in Burkina Faso eine begehrte und traditionelle Quelle für Haut- und Speisefett. Wegen seiner besonderen Bedeutung wird der Sheabaum von der Bevölkerung geheiligt und darf nicht gefällt werden.
Gold der Frauen: Sheabutter
Sheabutter ist Frauensache. Wenn es Zeit ist, die Sheabutter, auch Karité genannt, zu gewinnen, versammeln sich die Frauen an einem zentralen Ort ihres Dorfes, der eigens für ihr Vorhaben eingerichtet ist. Die nach der Ernte getrockneten Nüsse werden geschält, in einem Lehmofen erhitzt und danach in Mörsern zerstampft. Die entstandene Masse wird mit Wasser verdünnt und ca. 45 Minuten lang geschlagen. Die enthaltene Butter löst sich und kann abgeschöpft werden (der Prozess ist vergleichbar mit dem Buttern von Milch). Eine weißlich-gelbe Masse, die unraffinierte Sheabutter, ist das leicht würzig duftende Ergebnis. Die fertige Butter wird in einem Lagerhaus, das allein für diesen Zweck dient, bis zum Abtransport gelagert. Sheabutter findet mittlerweile in aller Welt Liebhaber.
Sheabutter für Dr.Hauschka Kosmetik
Im Jahr 2001 gab es die ersten Kontakte zwischen Burkina Faso und der WALA Heilmittel GmbH. Der freiberuflich arbeitende Projektberater Hermann Schopferer sprach mit dem Hersteller der natürlichen Dr.Hauschka Kosmetik über eine Kooperation. Die Idee: hochwertige, nach traditionellem Verfahren gewonnene Sheabutter für hochwertige Naturkosmetik. WALA war interessiert und stimmte zu.
Schon mehrere Selbsthilfeprojekte hat Hermann Schopferer in Afrika und speziell Burkina Faso begründet und betreut. Er kennt Land und Leute und suchte für das Sheabutter-Projekt den regenreicheren, gemäßigteren Südwesten Burkina Fasos mit einem guten Bestand an Sheabäumen aus, ca. 400 km von der Hauptstadt Ouagadougou entfernt.
Grüner Busch und gelber Lehm
Zivilisationsgeschädigte kämen in Diarabakoko, einem Dorf in der Projektregion in Burkina Faso, endlich zur Ruhe: Kein Strom, kein Telefon, kein Autoverkehr sorgen für Unruhe von außen. Man lebt hier einfach, von den Erträgen aus eigenem Anbau. Hirse gehört zu den Hauptspeisen des einseitigen Speiseplans, Fleisch ist rar. Um Geld zu verdienen, verkaufen die Frauen und Männer einen Teil ihrer Ernten oder ein selbst gekochtes Gericht auf dem 15 Kilometer entfernt gelegenen Markt. Der Weg wird zu Fuß zurückgelegt.
Sheanüsse veredeln
Sheanüsse zu ernten, gehört zur Tradition der burkinischen Dörfer. Ausländische Raffinerien nutzen schon lange die hochwertigen Nüsse und kaufen sie billig in den Dörfern ein. Innerhalb des Sheabutter-Projektes mit der WALA verdienen die Dörfer das Vielfache an ihren Nüssen, weil sie die selbst hergestellte Sheabutter verkaufen: Deren Preis ist 7-mal höher, als der für die Nüsse.
Tue Gutes und Besseres
An die 350 Frauen aus zwei Dörfern stellen heute für die WALA Sheabutter her. Die Frauen organisieren sich selbst in einer Erzeugervereinigung. Eine reine Frauengemeinschaft, wie es in Afrika gängig und selbstverständlich ist. Sheabutter war immer schon Frauensache. Für das Projekt gaben sich die Frauen den Namen „IKEUFA“ (Faire bien et meilleur de Diarabakoko), was so viel heißt wie: Tue Gutes und Besseres in Diarabakoko.
Alle Positionen der Genossenschaft, von der Präsidentin über die Kassenwartin bis zur Schriftführerin, werden von den Dorffrauen gewählt. Sie haben schon immer ihre eigenen Felder und verdienen ihr eigenes Geld, das sie selber verwalten. Die selbstbewussten Burkinerinnen diskutieren alle Projektfragen entsprechend genau mit Schopferer.
Mit dem Ertrag aus den Sheabutterverkäufen sind die Frauen in der Lage, das Schulgeld für ihre Kinder zu bezahlen und nicht nur einzelne, sondern alle Kinder in die Schule zu schicken. Darüber hinaus ist die Grundversorgung mit Lebensmitteln und notwendigen Medikamenten sichergestellt.
Sheabutter aus Burkina Faso: die Fakten
- In der Anfangsphase 2001 unterstützte die WALA das Sheabutter-Projekt durch die Finanzierung des Beraters Hermann Schopferer, der das Land mehrfach im Jahr besucht, für den geforderten Qualitätsstandard sorgt sowie die jährlichen Bio-Zertifizierungen vorbereitet.
- Im Jahr 2002 wurden zum ersten Mal für die WALA Nüsse gesammelt und daraus Sheabutter hergestellt. Bezahlt wurden die Frauen von der WALA im Voraus, mit überdurchschnittlichen Preisen. Aus dem Geld konnten notwendige Gerätschaften, Materialien für den Versand usw. finanziert werden. Im Herbst 2002 erreichte die erste Sheabutterlieferung die WALA in Deutschland.
- Im Jahr 2003 wurde das Projekt erstmals erfolgreich bio-zertifiziert. Die gesamte von der WALA benötigte Menge Sheabutter konnte hergestellt werden.
- Die Verarbeitung aus der Ernte 2004 beginnt im August. Gleichzeitig wird die jährliche Bio-Zertifizierung durchgeführt.
- Die WALA garantiert den Frauen feste Abnahmemengen und stellt Investitionshilfen zur Verfügung.

